Gnome und pinke Boxhandschuhe

Erst hatte ich überlegt, etwas Intelligentes zu schreiben. Ihr wisst schon – so etwas, was beweist, dass ich ganz enorm toll bin und es absolut verdient habe, bei Thang schreiben zu dürfen. Aber dann hab ich aufgehört zu überlegen und angefangen zu schreiben und wie immer, wenn ich das tue, weiß ich nicht, worauf es hinaus läuft – ich weiß aber, das nichts Intelligentes dabei rumkommen wird. Ich kann sowas einfach nicht. Es gibt so Leute, die schreiben einen verständlichen Text und zwischen den Zeilen sitzen diese kleinen Gnome, deren winzige Tatzen in pinken Boxhandschuhen verpackt sind, die alle paar Sekunden hervorschießen und einen matschigen Stempel auf deine Stirn drücken „Hier steht etwas Intelligentes“. Diese Zwischen-Zeilen-Gnome prügeln auf dich ein – aber hey, immerhin versteht man, worum es geht. Nicht so, wie bei der anderen Sorte Intelligenz. Da ruft man den Artikel auf, fängt an zu lesen und flucht schon nach drei Worten leise vor sich hin, weil man kein verdammtes Wörterbuch bereit liegen hat, das einem die komischen Fremdworteinschüber übersetzt, die der Autor hinein gekotzt hat. Solche Schreiber sind es, denen es vermutlich völlig egal ist, ob andere ihre Texte verstehen. Aber was noch viel schlimmer ist: Während ich davor sitze, verzweifelt über meine Nase reibe – wie immer, wenn ich überfordert bin und ja, diese Angewohnheit verhindert es, dass ich meine Überforderung verstecken kann – erscheinen schon die ersten Kommentare. Die ersten Trackbacks tauchen auch auf: Bunte Wimpel, wie sie in Pferdewettrennstadien hängen (nein, ich war noch nie in einem, aber ich bin ein Hollywood-Kind), die davon künden, dass dieser Artikel es wert ist, weiterverbreitet zu werden. Und ich sitzt noch immer da und weiß nicht, worum es geht.

Eigentlich sitz ich mein Leben lang da und weiß nicht, worum es geht. Irgendwann, schon in der Grundschule, habe ich diesen Mythos um meine Person erschaffen bzw. habe zugelassen, dass er erschaffen wurde und er existiert bis heute. Ich glaube, es war im Deutschunterricht. Ich saß da, klein und mit ständig strähnigem Haar, und die Lehrerin – Frau Winkler – verkündete, dass ich nicht nur die Einzige sei, die eine Eins erhalten habe, sondern, dass mein Aufsatz es sogar wert sei, vorgelesen zu werden. Da entstand sie bereits – die Legende der intelligenten Hannah. Das Ganze zog sich dann weiter fort, in der Realschule wurden meine Aufsätze zwar nur noch selten vorgelesen, aber die Einsen hatte ich weiterhin auf meiner Seite. Hinzu kamen die gelegentlichen Ausbrüche im Geschichts- oder Politikunterricht, die stets mit einem „Das ist ein guter Gedankengang, Hannah.“ gelobt wurden. Spätestens von da an galt ich dann wirklich als die intelligent. Damals war ich noch zu arrogant, um mich gegen diese Unterstellung zu wehren – jeder will doch so ein wenig gebauchpinselt werden – heute bin ich es nicht mehr. Heute glaubt mir aber auch niemand mehr.

Während ich also da sitze und mich frage, was mir der Scheißtext sagen will, werde ich mit Augen beobachtet, die in mir die intelligente Hannah sehen und zu wissen glauben, dass ich gleich jedem erklären werde, was ich da vor mir habe. Meistens rede ich dann irgendeinen Unsinn und noch mehr meistens ist dieser Unsinn dann entweder richtig oder so fragwürdig formuliert, dass es zu schwierig wäre, dagegen anzuargumentieren. Also war und bin ich als intelligent verschrien und nur ich weiß, dass ich eigentlich ein kleines Dummchen bin – noch immer klein, aber das strähnige Haar ist meiner wallenden Mähne aus sanft fallenden Haarglanzwellen gewichen, jawoll. So, wie Frau es sich wünscht.



Und jetzt?

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7 Kommentare

1 . Thang
@
sagte:

Fabelhaft! So wie ich es mir vorgestellt habe. Texte über Gnome und pinke Boxhandschuhe :D

03. Mar 2010 um 12:41 Uhr - Link

2 . Chris sagte:

Intelligenz ist ja auch immer noch eine relative Sache. Da du vermutlich trotzdem intelligenter als knapp 86,3% der Erdbevölkerung bist…naja..darfst du jetzt hier bloggen. Nehm ich an. :D Oder wie genau lief das?

03. Mar 2010 um 12:54 Uhr - Link

3 . Marlon sagte:

ich würde ja auch einen netten beitrag beisteuern , nur ist mein mario kart auf dem snes kaputt gegangen , aber wenn ich zeit finde gerne doch ^^

03. Mar 2010 um 13:52 Uhr - Link

4 . Andi Licious
@
sagte:

Aloha Hannah,

es ist doch immer noch schöner und intelligenter Mythen zu schaffen und für gute Gedankengeänge gelobt zu werden, als von der anderen Frau Winkler (in meinem Fall Mathelehrerin) für einen Nerd gehalten zu werden, grundsätzlich schief angeguckt zu werden weil man keinen einzigen verständlichen Lösungsweg aufschrieb und nur wirre Zahlen einfach irgendwo auf dem Blatt platzierte die dennoch sehr schnell zur Lösung führten. Sowas nervte richtig und da kommt man sich dumm vor… oder war’ns doch nur die Anderen?

Keine Ahnung. Ich liebte Mathe und Physik, verachtete Chemie, schlug in Deutsch gerne den Mitschülern für sie merkwürdig anmutende Wörter vor den Kopf, weigerte mich in Kunst Blumen zu tuschen um stattdessen Häuser zu skizzieren, lehnte Religion ab und spielte im Technikunterricht mit dem Trafo lieber an meiner Zunge rum anstatt irgendwelche 9 Volt-Birnen zum glühen zu bringen, stellte der Französischlehrerin lieber vulgäre Fragen anstatt kommen zu sehen dass sie mich deswegen ein Jahr später aus ihrem Unterricht verbannen würde, stritt in Kunst & Kultur lieber über die kraklige Kalligaphie, ging in die Musikprüfung um alleine einen Gospelsong zu singen weil die Lehrerin mich hasste und dennoch ließ ich keine Gegenheit aus ihr zu zeigen wie sehr ich sie doch nicht mochte… oder war’ns doch nur all die Anderen, die sich dem Wahnsinn wortkarg hingeben?

Und was kam raus? Ich fühle mich heute noch zu nerdig, unverstanden und lehne es ab mir eine Religion aufdrücken zu lassen. Oder war’ns doch nur wieder die Anderen?

Viele Grüße,
Andi

03. Mar 2010 um 14:29 Uhr - Link

5 . Hannah sagte:

@Thang: Das hast du also erwartet? :D Für mich kam das überraschend.
@Chris: Ich bin intelligenter als ein Stück Brot. Außer, es heißt Bernd.
@Andi: Sind es nicht immer die anderen? ; ) Lieber nerdig als angepasst – das macht Menschen doch erst interessant.

03. Mar 2010 um 15:01 Uhr - Link

6 . pell sagte:

Einerseits finde ich den Text so unglaublich sympathisch und andrerseits widert mich ein Aspekt daran an. Aber stilistisch mag ich deine Texte immer.

03. Mar 2010 um 15:18 Uhr - Link

7 . chaosmacherin sagte:

Früher hätte dir auch keiner geglaubt.. Weil es eben nicht stimmt was du sagst… Man bekommt einsen ja nich einfach so geschenkt. Klar, man kann sehr inteligent sein und schlecht in der Schule oder strohdoof und trotzdem seine zulassung zum Abi zu bekommen. Aber ich hab ja nun schon so manches Wort mit dir gewechselt und dich als inteligent befunden ohne vom Mythos gewusst zu haben. PUNKT.

03. Mar 2010 um 16:59 Uhr - Link

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