Hi, my name is: Roosevelt

, 9. Oktober 2013music, stories

HI, MY NAME IS” ist der ziemlich einfallslose Titel für eine kontinuierliche Interview-Reihe mit jungen Fotografen, Musikern, Künstlern und inspirierenden Persönlichkeiten unserer Zeit. In diesem Teil der Serie stellen wir euch das junge Musiktalent Roosevelt vor.

Wenn ich Roosevelt höre, denke ich automatisch an Politik und die beiden Ikonen US-amerikanischer Geschichte: Franklin und Theodore. Dass ab sofort der Name Roosevelt auch mit lebendigem und tanzbarem Elektro-Pop verbunden werden kann, beweist der 23 Jahre junge Produzent Marius Lauber aka Roosevelt aus Köln. Gerade zurückgekommen von einer DJ-Tour in den USA und Brasilien, traf ich ihn bei einem Besuch des Red Bull Music Academy Radio in Berlin. Nachdem sein selbstproduzierter Track „Sea“ 2012 dank Youtube & Co. zum Überraschungserfolg wurde, hat der Schlagzeuger der Band Beat!Beat!Beat! nun seine neue EP „Elliott“ im Gepäck, die auf dem Berliner Label Greco Roman erscheint und mit der er ab sofort verstärkt als Solo-Künstler durchstarten wird. Die Platte beweist erneut, dass Schubladen-Klischees bei Roosevelt fehl am Platz sind: Sein eingängiger Sound findet dabei nicht nur im House, Pop, Chill Wave und Disco ein zu Hause, sondern zeigt vielfältige Facetten.




I AM ROOSEVELT

Roosevelt ist mein Solo-Projekt seit Anfang des letzten Jahres. Ich produziere elektronische Musik, die bandmäßig klingt und viele Instrumente beinhaltet, aber trotzdem sehr Club orientiert ist. Also ein Mix aus beiden Welten. Ich komme ursprünglich aus Viersen, ein Ort in der Nähe von Köln, wo ich die letzten dreieinhalb Jahre gelebt habe. Nun wohne ich seit einem halben Jahr in Berlin. Allerdings nur zur Albumproduktion. Danach geht es wahrscheinlich wieder zurück nach Köln.

Neukölln, Zufall?
Die Miete war ganz bezahlbar und einige Freunde wohnen auch dort. Mich zieht es aber auch oft nach Kreuzberg, wo es nicht ganz so runtergerockt ist. Dennoch mag ich es in Neukölln. In Köln habe ich auch in einem Teil von Ehrenfeld gewohnt, bei dem meine Mutter sagen würde: „Wo bist du denn gelandet?“, aber wenn es ein bisschen rough ist, find ich es eigentlich sehr angenehm.

Ein Kölner in Berlin ist…
erst einmal ein bisschen verloren, glaub ich. Die Infrastruktur in der Musikszene in Köln funktioniert schon ganz anders. Man kennt sich in Köln einfach viel mehr, egal was man für Musik macht. Obwohl ich im Studio mit Leuten war, die eher Techno machen, war ich doch sofort willkommen. In Berlin entstehen direkt mehr Sparten. Also ist man als Kölner doch erst einmal verloren, aber findet sich dann schnell zurecht, weil die Leute einen doch sehr schnell aufnehmen.

Inspiration und Motivation…
Ähm…Inspiration ist schwer zusagen. Ich glaube alles was man so musikalisch aufgreift, spielt in den Sound rein. Ich habe keine besonderen Künstler, bei denen ich sagen würde, dass sie mich inspiriert haben. Bei diesem Projekt hatte ich z.B. von Anfang an klar ein Bild im Kopf und hab nicht einfach darauf losproduziert. Es ist ein sehr discoides Projekt, mit sehr viel Melodie, das aber dennoch clubmäßig funktioniert. Die Motivation ist ganz simpel gesagt, die Lust auf Tour zu sein und zu reisen. Ich war dieses Jahr schon in Brasilien und den USA. Und ehrlich gesagt, ist das zur Zeit die größte Motivation: mit neuen Tracks unterwegs zu sein.

Reisen ist…
Der eigentliche Grund, warum man das alles macht. Das ist das, worauf man sich immer freut und wo man die besten Geschichten her hat.

Dein Ruhepol befindet sich in…
Viersen, meiner Heimatstadt. Das ist ein kleines Dorf, das mir das Gefühl gibt, angekommen zu sein und wo ich weg vom Trubel bin. Selbst in meiner Wohnung bin ich permanent mit der Musik beschäftigt, da ich dort auch mein kleines eigenes Studio habe und eigentlich ständig schreibe. Daher ist man auch zu Hause noch immer sehr abgelenkt und mit dem Kopf beim Projekt. Eigentlich will ich aber auch gar nicht unbedingt abschalten.

Das darf nicht auf dem Soundtrack deines Lebens fehlen…
Ich glaube Rio Reiser. Das ist zwar jetzt keine internationale coole Antwort, aber Rio Reiser ist einer, der nicht fehlen sollte.

Deine Musik in drei Worten…
Bongos, Hi-Hats und Cowbells.

Digital vs. analog
Unterschiedlich. Beim Auflegen bin ich ziemlich von Digital überzeugt. Ich bin zwar auch ein Vinyl-Liebhaber, aber habe einfach kein Geld dazu und die Lust alles immer mitzuschleppen. Auch wenn mich andere dafür nicht mögen werden. Ich habe großen Respekt davor, wenn Leute es komplett durchziehen mit Platten aufzulegen. Aber ich bleibe dann doch bei CD’s. Beim Musikmachen ist es anders: alles analog. Ich benutze eigentlich nur den Rechner als Zentrum wo alle Spuren zusammenkommen. Aber alles was vorm Rechner passiert ist analog. Also Schlagzeug, Synthesizer, Bass, Gitarre. Und da lege ich ziemlich großen Wert drauf. Sogar wenn ich etwas nicht spielen kann, frage ich einen Kumpel, ob er vorbeikommt.

Dein Lieblingsinstrument
Schlagzeug auf jeden Fall. Ich habe sogar früher erst Gitarre gespielt, so mit 13 Jahren. Davor Klavier. Und dann hatte ich eine Band. Der Schlagzeuger hatte sein Schlagzeug in meinem Keller und irgendwie hab ich gemerkt, dass ich mich in den Pausen die ganze Zeit nur ans Schlagzeug gesetzt habe und es mein Lieblingsinstrument ist. Und dann hab ich irgendwann die Band aufgelöst und eine Neue gestartet, in der ich Schlagzeug spielen konnte.

Wie geht’s weiter?
Die EP wird Mitte Oktober released. Und dann gehe ich ebenfalls ab Mitte Oktober mit Kakkamaddafakka, einer Indie-Band aus Norwegen, auf Deutschland-Tour. Und Anfang November geht es dann mit Headline Konzerten los. Unter anderem am 6. November live im Berghain, zusammen mit SOHN für die Reihe Certain People.

Last but not least: Deine Frage?
Darf es auch ein Witz sein? Wann darf ich gehen, ist das Interview vorbei? (lacht)

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