Interview: Hi, my name is CHPLN

, 7. Januar 2014music, stories

HI, MY NAME IS” ist der ziemlich einfallslose Titel für eine kontinuierliche Interview-Reihe mit jungen Fotografen, Musikern, Künstlern und inspirierenden Persönlichkeiten unserer Zeit. In diesem Teil der Serie stellen wir euch die Band CHPLN vor. Wer das in London lebende Elektro-Pop Duo noch nicht kennt, der sollte sich schleunigst die Songs der beiden Ausnahmetalente anhören.

CHPLN, das ist ein organischer Elektrobeat gepaart mit der belebenden Melancholie des Balkans. Ein Ausdrucksmittel, dass die Gedankenfülle aber zugleich Unbeschwertheit der zwei Jungs aus dem Ruhrpott widerspiegelt. Die langjährigen Freunde Dali Bor und Pippo Vari veröffentlichten 2011 erstmals ihre Debüt-EP „Momentaufnahme“, welche die Seelentransparenz des Soul in ein geschmeidiges Elektro-Pop-Gewand hüllt. Überaus beeindruckend ist zudem ihre im Wohnzimmer eigenproduzierte Reihe „Living Room Sessions“, durch die sie ihre Musik über Vimeo vielen Menschen zugänglich machen. Besonders bei ihren neusten Produktionen trifft hier akustische Nachdenklichkeit auf einen eingängigen elektronischen Beat. Zuletzt erschien auf dem Kölner Label Trittgold ihre zweite EP „Flying High Remixe“ und wir dürfen noch auf vieles gespannt sein, denn das Duo hat für das nächste Jahr einiges in petto. Ich hatte das Vergnügen, die beiden sympathischen Jungs vor ihrem Konzert im Berliner Privatclub persönlich zu treffen. Das Ergebnis unserer lustigen Runde, findet ihr nun hier.




WE ARE CHPLN


CHPLN ist …
Dali: Viel Verwirrung. (lachen)
Pippo: Gefühl. Das Gefühl, das wir transportieren durch unsere Musik.

Wie kam es zu dem Namen CHPLN?
Dali: Eigentlich bei einer Aufnahmesession, als es noch gar keinen Namen gab und wir zu der Zeit die Autobiografie von Charlie Chaplin gelesen haben. Im Prinzip war es ein befreundeter Produzent, der meinte: „Hey Jungs, das liegt so nah: Chaplin!“, weil wir einfach jeden Tag über das Buch gesprochen haben. Und dabei haben wir noch ein wenig rumexperimentiert: Erst „Chaplin“, dann hieß es „We are Chaplin“ und jetzt einfach CHPLN.
Pippo: Das hat einen elektronischen Touch, den man ja auch in unserer Musik hört und sieht viel cooler aus.

Kurz zu euch persönlich: Wo kommt ihr her…
Dali: Wir kommen gerade aus London. Reicht dir das schon? (lacht) Nein also, zur Zeit wohnen wir in London und sind da auch schon ein paar Jahre. Davor wohnten wir in Köln, wo eigentlich auch musikalisch alles anfing.
Pippo: Wir kennen uns im Prinzip seit über 20 Jahren und es gibt schon eine ziemlich lange Freundschaft zwischen uns. Dann haben wir begonnen auch zusammen Musik zu machen und so hat sich das ganze entwickelt. Ich komme ursprünglich aus Rumänien, bin dort geboren und mit 8 Jahren nach Deutschland ins Ruhrgebiet gezogen, wo Dalis Eltern wohnten.
Dali: Ja, wir können auch ruhig das Ruhrgebiet erwähnen. Eigentlich haben wir uns nämlich dort schon kennengelernt. Im schönen Herne wars.

Eure Musik ist gemacht aus…
Dali: Einer Stimme, einer Gitarre und ganz viel Gefühl.
Pippo: Und vielen MIDI Controllern. (Lacht)
Dali: Und vielen elektronischen Freunden.

Wo habt ihr euch selbst vor 10 Jahren gesehen?
Pippo: Vor 10 Jahren habe ich mich als professionellen Beachvolleyballspieler irgendwo an der Copa Cabana, Bier trinkend und nebenbei Musik machend, gesehen. (lacht)
Dali. Das klingt ja nach einem viel besseren Leben… Ich habe mich natürlich hier im Privatclub gesehen. Ich wusste ganz genau, dass wir genau heute hier spielen werden.

Wie entstand die Idee für die „Living Room Sessions“?
Pippo: Es war eigentlich eine spontane Idee. Letztendlich ist es so, dass wir in unserem Wohnzimmer immer alle Instrumente so aufgebaut haben, dass wir direkt loslegen können. Natürlich immer alles mit Kopfhörern, so dass sich die Nachbarn nicht beschweren können, wenn wir Tag und Nacht proben. Und dann dachten wir: Eigentlich könnten wir ja ein paar Freunde einladen, sie mit ihren Kopfhörern einstöpseln und live im Wohnzimmer spielen.
Dali: Ja, und aus den paar Freunden wurden dann 40 Leute an zwei Abenden. Und wir sind immer noch hin und weg. Da wir uns selbst den Druck setzen wollten, ein neues Set-Up komplett in einer Live Situation auszuprobieren. Und das war auch einfach ein einmaliges Erlebnis, die ganzen Leute bei uns im Wohnzimmer, tanzend wie bei einer Silent Disco.
Pippo: Ich glaub, uns war es auch wichtig nicht nur irgendein Konzert in einer Disco zu spielen, sondern  ein kleines Event zu kreieren und dabei Freunde zusammenzubringen, die sich nicht vorher kannten. Und die Leute sprechen immer noch drüber und unterstützen uns. Einfach ein super Kickstart für eine treue Fanbase.

Melancholie ist…
Dali: Also wenn ich an Melancholie denke, dann bedeutet das Sehnsucht. Und ich glaube das steckt auch in vielen unserer Songs. Man erinnert sich dann, an ein besonderes Erlebnis. Sei es ein super Urlaub oder ein zwischenmenschliches Erlebnis. Es ist einfach die Sehnsucht, nach dem was schon einmal war oder auch was noch kommt.
Pippo: Also für mich ist Melancholie ein sehr starkes Gefühl, welches vor allem mit positiven Aspekten verbunden ist. Das bedeutet nicht unbedingt Traurigkeit. Ich denke Melancholie hat bestimmt auch mit unserem Ursprung zu tun. Wir haben beide unsere Wurzeln im Balkan und in der dortigen Kultur verbinden sich traditionell Traurigkeit und Freude zu einem starken Gefühl, eben genau diese Melancholie, die wir in unserem Blut haben. Aber von uns wird es auf jeden Fall auch bald noch mehr zu hören geben und damit auch eine größere Bandbreite.

Euer musikalischer Background?
Pippo: Wie schon eben gesagt, macht unsere Herkunft vom Balkan einiges aus. Aber eigentlich bin ich seit jungen Jahren durch meinen Bruder von jeglichen musikalischen Richtungen beeinflusst: Hardrock, Rock, Pop, Klassik und Jazz…
Dali: Ich muss außerdem noch daran denken, dass uns Leute oft fragen: „Warum seit ihr eigentlich nach London gezogen, ist doch teuer und usw. …“ Aber London ist  auch einer der Hauptgründe für unseren kulturellen Background. Was man dort tagtäglich hört und erlebt, auch unterbewusst, hat uns schon sehr  in den letzten drei Jahren geprägt.

Und elektronische Musik?
Pippo: Wir sind eigentlich mit zwei Akustik-Gitarren und einer E-Gitarre nach London gegangen und haben dann einfach herum probiert. Und das hat sich dann eigentlich ganz natürlich entwickelt. Die Gigs zu denen wir gegangen sind, die ersten Studioaufnahmen, es sind immer mehr elektronische Elemente dazugekommen. Und ganz automatisch wurde unsere Musik so kompletter.

Eure Inspiration?
Dali: Cafés. Unser Arbeitsplatz. Wir sind nebenbei Baristas und so findet sich dort einer unserer stärksten Inspirationsquellen. Die Leute, die herein kommen und die Leute mit denen man arbeitet. Da wird dann plötzlich ein Künstler auf Spotify abgespielt, den man vorher noch nicht kannte und ein anderer erzählt einem eine Geschichte. Das beeinflusst uns sehr stark im Alltäglichen.

Euer Song für den Moment:?
Dali: Vor einer Woche hätte ich gesagt: Open Eye Signal von Jon Hopkins. Aber fantastisch finde ich auch das ganze neue Arcade Fire Album.
Pippo: Ach Mann, jetzt hast du mir Jon Hopkins weggenommen. (lacht) Aber ich habe eigentlich in den letzten zwei Wochen sehr häufig einen Song über einen Link von einem Freund gehört, ein alter französischer Song aus einem Film, der heißt: Rue St Vincent von Yves Montand… und der bewegt einfach was in mir, auch wenn ich den Text nicht verstehe.

Was steht als nächstes an?
Pippo: Als allererstes  steht ein Videoshooting an für den neuen Song „White Snow“ in London an, sobald wir zurück sind. Dann wollen wir vor dem Album eine kleine EP rausbringen, an der wir gerade auch mit verschiedenen Leute zusammenarbeiten. Und das wird dann hoffentlich im Januar soweit sein. White Snow ist schon fertig. Wir planen auch noch etwas besonderes mit unserer Living Room Session. Das wird aber noch nicht verraten.
Dali: Wir sind sehr wahrscheinlich auch im Januar noch einmal hier in Berlin für ein Konzert.

Last but not least: Eure Frage?
Pippo: Wo hast du diese Stiefel her? (lacht)
Dali: Ja genau. Ich habe auch noch ’ne Frage: Kann ich die mir für den Auftritt leihen?

Danke Pippo & Dali ♥


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