Hi, my name is Grau

, 19. Januar 2015music, news, stories

HI, MY NAME IS ist der ziemlich einfallslose Titel für eine kontinuierliche Interview-Reihe mit talentierten Fotografen, Musikern, Künstlern und inspirierenden Persönlichkeiten unserer Zeit. Diesmal freue ich mich ganz besonders darüber, euch ein neues Elektropopduo aus Berlin vorzustellen. Die Rede ist von GRAU. Und wie ihr Name es bereits vermuten lässt, ihre Musik ist weder schwarz noch weiß, sondern einfach überzeugend vielfältig. Anna und Niko, sind keine absoluten Beginner im Musikbusiness und spielen bereits seit vielen Jahren im bunten Treiben mit. Niko stammt ursprünglich aus Falcos Heimatstadt Wien und hat sowohl als Produzent als auch Musiker bereits mit Künstlern wie Dave Gahan, Crystal Castles, Motoboy und Depeche Mode zusammengearbeitet. Die betörende Stimme von GRAU gehört zu Anna, die seit 8 Jahren in Berlin lebt, seit sie denken kann, singt und nebenbei als DJ Anner auflegt.

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Nun haben beide jedoch endlich ihr korrespondierendes Yin bzw. Yang gefunden und bilden zusammen eine Einheit, die harmonischer nicht sein könnte. Sie haben keinen Labelvertrag und auch keinen Starproducer im Nacken sitzen, dafür aber ungemein viel Talent, einen mitreißenden Drive und vor allem musikalische Raffinesse. Wer erstklassige deutsche Lyrics gepaart mit elektronischer Musik und viel Ehrlichkeit, ganz in der Tradition von Bands wie 2raumwohnung, Laing, oder Kreuz Ost bereits im Berliner Musikkosmos vermisst hat, der sollte an dem Duo nicht vorübergehen. Für mich sind ihre Songs ein weiterer Beweis dafür, dass gute Musik keine Konventionen braucht oder anstrengend hip sein muss. GRAU, das ist: eine brillante Stimme, organische Beats und ein dynamischer Vibe, der hoffentlich auch euch ansteckt. Ich habe Anna und Niko in ihrem Tonstudio im alten Funkhaus Berlin in Oberschöneweide getroffen und sie haben mir ein Stück ihrer Welt gezeigt. Wie? Das erfahrt ihr hier im Interview.

WE ARE GRAU
Anna: Wir haben schon immer Musik gemacht. Ging nicht anders. Hier sind wir.
Niko: Ist bei mir genauso. Vor allem habe ich vorher viel als Produzent gearbeitet. Ein bisschen in Wien, ein bisschen in Australien, den USA und letzendlich in Berlin. Und da ist es am schönsten.

GRAU, das ist?

Anna: Wenn wir „grau“ hören, grinsen wir erst einmal beide. Ich empfinde GRAU mehr als nur Musik. Es ist, als ob ich endlich mein Tagebuch vertonen kann. In jeder Phase des Lebens. Mal ganz auf Techno, mal Herzschmerz. Wir hauen es einfach raus, so wie wir uns fühlen.
Niko: Genau so, ist GRAU entstanden.
Anna: GRAU ist das Gegenteil vom Schwarz-Weiß-Denken. Das geht für uns einfach nicht. Nachts sind alle Katzen… und so weiter. Uns geht es vor allem um das Aufbrechen von Klischees und Schubladen. Die ganzen sozialen Normen, mit denen jeder sein Leben lang rumdealt, anstatt einfach nur fröhlich weiterzugehen.

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Wer hat bei euch die Hosen an?

Niko: Das ist ziemlich ausgeglichen. Wir schnauzen uns immer gegenseitig an. (lacht)
Anna: Und dann knuddeln wir wieder. Einmal zicke ich raum, einmal er. Da gibt es keine Hierarchie.

Euer Lieblingsmoment im Alltag?

Niko: Eigentlich der Moment, in dem man Musik macht und das Gefühl dabei dann so geil ist, wie es dir keine Substanz oder Gegenstand geben kann. In diesen Momenten braucht man dann auch kein Feedback von jemanden. Aber sie passieren auch nicht so häufig …
Anna: Aber hoffentlich immer öfter! Ich denke dabei zum Beispiel gerade an den Moment, in dem ich die Idee hatte den Heinz Rühmann Song zu covern, der dann auch auf das nächsten Album kommt. Da stand ich dann bei den ersten Aufnahmen zu Hause in Jogginganzug und hab mich selbst gefeiert. Unbezahlbar.

Drei Worte, die eure Musik beschreiben:

Niko: Immer ein bisschen dunkel, schlau und es muss Style haben.
Anna: Worte, Freiheit und Selbstreflexion. Für mich muss die Musik Geschichten erzählen können.

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Ein Idol?

Niko: Das ist schwer. Ich finde viele Menschen interessant, aber ich habe keine Idole.
Anna: Bei mir ist es ähnlich. Es gibt viele Künstler, deren Weg ich verfolge und sie dafür bewundere, wenn ich sehe wie straight sie diesen gehen. Man freut sich einfach mit, wenn es klappt und all die Arbeit ihre Früchte trägt.
Niko: Auf jeden Fall war das in diesem Sinnen bei mir schon immer auch Peter Gabriel.
Anna. David Byrne. Würde ich noch ergänzen.

Wo trifft man euch in Berlin am liebsten an?

Niko: Also definitiv nicht weit vom Kiez. Ich bin so faul. (lacht) Irgendwo um den Boxi herum.
Anna: Ich gehe gern viel zu Fuß und eigentlich gibt es nicht einen Ort den ich besonders mag, sondern einen Moment. Nämlich wenn ich mir Musik auf die Ohren mache und einfach durch Berlin laufe. Dann kann ich unsichtbar aber auch sichtbar sein. Diese Stadt ist riesengroß und auf diese Weise kann man einfach durchatmen und Luft holen.

Sexy oder gemütlich?

Anna: Das kann man doch kombinieren, oder?
Niko: Sexy !!!

Wie geht’s weiter?

Anna: Es geht gerade erst los!
Niko: Im Februar kommt unsere erste EP raus, die DREI heißen wird.
Anna: Drei, weil einer der Songs in Bulgarien geboren wurde und dieser meine dritte Session dort in dem Tonstudio war. Aber 3 ist überhaupt eine magische Zahl: 3 Wünsche zum Beispiel.
Niko: Und der Song ist nach wie vor auch einer meiner Lieblingssongs von der Platte. Der holt einen einfach ab.
Anna: Außerdem gibt es noch kurz nach dem Release unser erstes Video und das Album ist in der Mache. Das wird dann noch ein Stück clubiger als die bisherigen Songs.

Last but not least: Eure Frage?

Und wie gefällt dir die Musik?

Danke Anna & Niko

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images © Helen Hecker