Album Review: Alicia Keys – HERE

Wer kommt uns als erstes in den Sinn wenn wir einflussreiche, weibliche Pop bzw. Soul-Ikonen der letzten Jahre aufzählen sollen? Beyoncé, ganz klar. Rihanna, selbstverständlich. Vielleicht noch Lady Gaga oder Jennifer Lopez. Letztere hat leider ihre Seele an die Dancehall-Tröte und Pitbull verkauft. Später erst fällt uns auf, dass da jemand fehlt; nämlich Alicia Keys. Wie konnten wir nur?

Hey Alicia,
es ist super, dass du uns seit geraumer Zeit deine wahre Schönheit offenbarst und keine Lust mehr auf Mascara hast. Aber viel mehr huldige ich dich für dein unfassbares Talent.
Ich weiß gar nicht mehr so genau wie alt ich war als Alicia Keys ihr Debüt mit „Fallin“ feierte. Was ich allerdings noch weiß ist, dass ich wie gebannt mit 30 cm Abstand vor dem Fernseher stand und immer darauf wartete, dass VIVA oder MTV endlich diesen einen Track spielten.

Am 4. November diesen Jahres veröffentlichte sie ihr sechstes Studioalbum „HERE“. Ihre erste Singleauskopplung „In Common“ erschien bereits im Mai diesen Jahres. Das Album deckt eine relativ große und altbekannte Bandbreite verschiedenster Elemente und Genres ab. Zwischen Jazz, Soul und Hip Hop ist alles dabei. Auch inhaltlich bleibt sie ihren Wurzeln treu. New York als thematischer Mittelpunkt sowie die sozialkritische Darstellung der Amerikanischen Bevölkerung – wenn auch eventuell etwas zu romantisch oder gar infantil verpackt.

„Maybe we could love somebody instead of polishing the bombs of holy war.“

Enttäuschend hingegen das Feature zusammen mit A$AP Rocky. Zu glatt, zu platt, zu vorhersehbar. Funktioniert aber eventuell trotzdem auf irgendeiner Pool Party in Venice als nichtssagende Hintergrundmusik. Beinahe schon fast organisch anmutend klingt „Kill Your Mama“ und „She don’t really care_1 luv“. Sounds, die einer Alicia Keys gerecht werden. Ebenso erinnern Songs wie „Gospel“ und „Pawn It All“ an frühere Produktionen. Laut, zum Teil wütend und energiegeladen. Alicia Keys zeigt auf „HERE“ was sie kann. Und sie kann einiges. Vor allem aber sie selbst sein. Ich weiß, das Internet explodierte als Beyoncé „Lemonade“ veröffentlichte und der Vergleich hinkt etwas, da man die visuelle Komponente des Albums nun wirklich nicht außer Acht lassen darf. Und auch wenn ich auf diesen Hypezug nicht aufsprang, weil er mir etwas zu laut und aggressiv war muss ich gestehen: ein gutes und durchdachtes Album.
Ähnliches hätte ich mir für „HERE“ gewünscht. Dem war nicht so und vielleicht ist das gar nicht so schlimm, denn Gutes benötigt keinen Hype.