Hi, my name is Y’akoto

, 18. April 2017music, news
HI, MY NAME IS ist der einfallslose Titel für eine kontinuierliche Interview-Reihe mit talentierten Fotografen, Musikern, Künstlern und inspirierenden Persönlichkeiten unserer Zeit. Für das folgende Interview traf ich eine ganz besonders kreative und talentierte Songwriterin mit dem klangvollen Namen Y'akoto.

Bereits vor einigen Wochen hatte ich das Glück Y’akoto während eines exklusiven Showcases im Fluxbau Berlin live zu erleben. Vom ersten Ton an hat mich ihre unglaublich kraftvolle und sinnliche Stimme in den Bann gezogen. Doch noch vielmehr war ich von der Magie und Eindringlichkeit ihrer Songs begeistert. Ehrliche Texte und ein soulful Vibe lassen auf ihrem neuen Album Mermaid Blues zeitgenössischen Pop und ursprünglichen Blues zu einem musikalischen Liebesbekenntnis fusionieren. Welchen Stellenwert Musik heutzutage hat und was Y’akoto über Wahrheit, emotionale Hürden und den Begriff Heimat denkt, erfahrt ihr hier im Interview.

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Der Titel deines neuen Albums lautet „Mermaid Blues“ – Stichwort: Fabelwesen. Begeistern dich Märchen und würdest du dich selbst als Geschichtenerzählerin definieren?

Mermaid Blues heißt es, da ich mir zu jedem Album erst einmal ein Überthema suche. Für mich ist ein Album ein Storyboard: Du musst dir vorstellen, ich mache einen Film und suche mir hierfür dann starke Bilder und Moods aus. Die Dualität der Meerjungfrau hat mich schon immer fasziniert. Egal wo sie geschichtlich auftaucht, stellt sie auf der einen Seite immer das verführerische und begehrenswerte Wesen dar, das aber auf der anderen Seite zur unberechenbaren Rächerin werden kann. Diese vielen verschiedenen Facetten der Weiblichkeit haben mich dazu inspiriert die Songs für das Album zu schreiben. Ja, und Geschichten erzähle ich sowieso, denn sie sind für mich die Wurzeln der Musik. Die Ursprungsform aller Kommunikation ist Musik. Insbesondere in der Kultur aus der ich komme. Blues ist dabei der Grundstein von allem. Angefangen mit der Musik der Westafrikaner, die unfreiwillig nach Amerika deportiert wurden. Ihre Lieder bei der harten Sklavenarbeit, war ja nicht nur Gesang, sondern auch ein Mittel der Kommunikation. Darin waren manchmal Codes versteckt, um zum Beispiel den Weg zur Flucht zu weisen.

Ist Musik also eine universelle Sprache?

Auf jeden Fall! Wenn wir uns die altrömischen, afrikanischen oder auch ägyptischen Hochkulturen ansehen, dann hatte Musik immer einen extrem hohen Stellenwert. Könige und Kaiser waren umgeben von Musikern, Schauspielern oder Tänzern. Sie waren angesehene Wesen, mit einem eigenen Spirit.

Welchen Stellenwert hat deiner Meinung nach Musik heutzutage?

Ich glaube, dass man Musik im Zusammenhang mit der Kultur an sich sehen muss. Ich selbst würde mich nicht nur als Musikerin bezeichnen, sondern ich bediene mich an den Antennen der Kultur. Seien es Literatur, Film, die Mode oder der Tanz. Mein Traum war es immer, Musik niemals eindimensional zu denken oder zu performen. Diesen Pakt bin ich mit mir selbst eingegangen. Wichtig ist immer ein 360 Grad Blick auf das was die Menschen bewegt und wie sich Menschen bewegen. Und dazu gehört auch die Wertschöpfung der Kultur, also dass ich sie wertschätze und zum Beispiel weiterhin ins Theater gehe oder in jedem Land, in das ich reise, mir die nationalen Tänze anschaue. Dennoch glaube ich, dass Musik und Kultur heute sehr seziert wird. Heute unterscheiden wir zwischen Mainstream und intellektueller Kunst, von der ich immer noch nicht weiß, was das genau sein soll. Wir unterscheiden zwischen Pop, Blues und Jazz und Soul. Wir brauchen irgendwie diese ganzen Karteikarten. Und dann passiert es beispielsweise, dass mir gesagt wird: In der Pop-Musik oder im Soul arbeitet man nicht so, sondern so… Hier sind dann Menschen wichtig, denen das alles scheißegal ist und die erst Recht weitermachen, wie sie es für richtig halten und wie sie es fühlen. So wie ich es versuche.

Die Freiheit in andere Rollen zu schlüpfen, sollte man sich unbedingt nehmen.

Deine Songs sind unglaublich persönlich und manchmal habe ich beinahe den Eindruck, eine Freundin würde neben mir sitzen und mir aus ihrem Leben erzählen. Wie wichtig ist Ehrlichkeit für dich?

Ich finde man sollte das immer abwägen. Manchmal ist es in alltäglichen Situationen auch besser nicht zu ehrlich zu sein. Das gilt für Freunde oder Beziehungen. Ab und zu ist ein Griff in die Trickkiste hilfreicher. Aber hier muss man immer eine individuelle Wahl treffen und Balance schaffen. Das Songschreiben ist für mich jedoch genau der Kanal, mit dem ich einfach ehrlich sein kann, und auch ehrlich sein will. Allzu ernst sollte man das Leben im Alltag jedoch nicht nehmen. Da halte ich es lieber wie Bukowski, der sagte: „You gonna die anyway“. Leichtigkeit ist ganz wichtig und zur Leichtigkeit gehört manchmal eben auch Wahrheiten nicht zu erzwingen. Jemand der immer nur seine „eigene“ Wahrheit lebt, hat es denk ich nicht leicht im Kopf. Die Freiheit auch in andere Rollen zu schlüpfen, sollte man sich unbedingt nehmen.

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Musiker und Künstler allgemein, setzen sich äußerst sensibel mit Gefühlen auseinander, da dies in der Natur ihrer Kunst liegt. Gibt es Dinge vor denen du dich fürchtest oder die dir emotional schwer fallen?

Kunst liegt immer Auge des Betrachters. Eigentlich habe ich in erster Linie nicht die Intention Gefühle zu erzeugen, wenn ich etwas kreiere. Gleichzeitig passiert das meistens automatisch bei demjenigen, der ein Gemälde betrachtet oder einen Song hört. Dies ist das Schöne und Besondere an der Kunst. Für mich ist ganz klar, dass das Leben auch unangenehm und sagen wir zu 80 Prozent kompliziert ist. Es wäre eine Hollywood-Attitüde dies nicht anzunehmen oder anderen nicht zu zugestehen. Es gehört einfach dazu, dass es nicht einfach ist. Jeder, der schon einmal an etwas gearbeitet hat, auch an etwas Handwerklichem vielleicht, weiß, dass es am Anfang nur die einzelnen Stücke gibt, die man zusammenfügen muss. Oft braucht man hierfür viel Geduld und viel Nerven. Aber für mich ist genau das wichtig, denn beim Schreiben versteife ich mich nicht nur auf ein Gefühl – zum Beispiel die Liebe – und beschreibe wie toll es ist, sondern ich nehme mir eine Situation vor und versuche sie zu erzählen. So wie der ganz persönliche Moment mit der besten Freundin, den du vorher erwähnt hast.

Oft sind es ja genau die negativen Erfahrungen, die einem wieder neue Türen öffnen, oder?

Genau, denn Erkenntnis oder ihr Ursprung, muss ja nicht zwingend positiv sein. Es bedeutet vielmehr, das eine klare Sicht auf etwas freigelegt wird. Und das kann manchmal auch ziemlich unangenehm sein. Darum geht’s mir beim Texten. Nicht eindimensional zu denken. Ich möchte keine Realität vorgaukeln, die so gar nicht stattgefunden hat. Es gibt auch Writer oder Interpreten, die das besser können und ein Gefühl exakt transportieren, wie sie es haben möchten. Das mag ich auch, aber für mich persönlich funktioniert das nicht.

Ich finde deine Musik ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich verschiedene Stile und Elemente vereinen können und wieder etwas Neues ergeben. Wer oder was hat dich musikalisch stark beeinflusst?

Zeitgenössische Popmusik, die ich mache, ist immer beeinflusst von allen Dingen: Der Vergangenheit, der Gegenwart, dem was dazwischen liegt und der eigenen Persönlichkeit. Musikalisch zitiert auf meinem Album habe ich auf jeden Fall Sade, deren Songs mich seit meiner Kindheit begleitet haben, Bette Davis oder Lauryn Hill. Ich orientiere mich natürlich hier auch eher an Songwriterinnen, als an Sängerinnen. Mich hat schon immer mehr interessiert was gesungen wird, anstatt wie jemand singt. Und dabei haben mich immer starke Frauen fasziniert, die selbst ihre Musik geschrieben haben.

Du bist in Hamburg geboren, hast Wurzeln in Afrika und lebst zur Zeit in Paris. Was bedeutet zu Hause für dich?

Ich glaube, dass gerade die deutsche Kultur sehr „zu-hause-affin“ ist und Heimatgefühle eine große Rolle spielen. Ich versuche, gerade auch durch mein Leben, eine andere Geschichte zu erzählen. Der Mensch ist schon immer gewandert, egal ob durch Kriege, Kolonisation oder Völkerwanderungen. So sehe ich auch mein Leben. Das dreht sich auf alle Fälle, um die Musik bzw. ich drehe mich um die Musik und bin die ganze Zeit in Bewegung. Der Begriff zu Hause ist deswegen für mich eigentlich eher fiktiv. Das gibt es bei mir vielleicht noch nicht.

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Für mich bedeutet „in der Welt zu sein“, zu Hause zu sein.

Vielleicht braucht man es manchmal auch nicht?

Ich glaube schon, aber wenn jemand viel reist, sagt man schnell, dass er kein zu Hause hat. Ich bin Musikerin, da ist das ganz normal. Ich finde es nicht wichtig „zu Hause“ zu definieren. Was ist Heimat? Gerade hier in Berlin kann man das gut beobachten: Es gibt so viele Menschen, die hier zwar zu Hause sind, deren Heimat aber ganz wo anders ist. Vielleicht bedeutet für mich „in der Welt zu sein“, zu Hause zu sein. Es ist ja unsere Welt.

Wie geht es bei Dir weiter? Pläne für den Sommer?

Ich gehe im Herbst auf Tour und stelle bis dahin weiter das Album vor. Ich möchte so viele Menschen wie möglich an meine Musik heranführen. Das erfordert Präsenz. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes. Aber in circa zwei Jahren würde ich gern meinen Wohnort, dann doch mit meiner Arbeit verbinden. Das wäre schon ganz cool, mal einen großen Platz zu haben, wo sich alles miteinander verbindet.

Last but not least: Deine Frage?

Wo kommt das Gold her?

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