Die neue Generation des R’n’B

Erst kürzlich erinnerten wir euch an Alicia Keys und ihr neues, großartiges Album. Ebenso berichteten wir über das neue Video von ABRA. Heute schon wollen wir euch ein paar Perlen der neuen Generation des R'n'B vorstellen. Kraftvoll, jung und vor allem alles andere als süß und verspielt.

Die letzten Jahre haben nicht unbedingt dazu beigetragen, neue Musik kinderleicht einem Genre zuzuordnen. Viel zu viel hat sich getan, ist neu entstanden, hat sich vermischt. Cloud Rap etablierte sich, Trap gewann immer mehr Anhänger. Aber auch im Soul und R’n’B tat sich einiges. Alles experimenteller, zum Teil etwas elektronischer, bestückt mit rauen Rap-Parts. Beide Richtungen sind schon lange nicht mehr Genres die man als entspannte Hintergrundmusik laufen lässt, wenn man das erste Date nicht unbedingt nach dem ersten Teller Pasta nach Hause schicken möchte. All das haben wir vielleicht einer Handvoll weiblicher Charakterköpfe zu verdanken. Alle mit kraftvollen und gleichzeitig engelsgleichen Stimmen gesegnet; und dem ein oder anderen Stammbaum, der sich auf alle Fälle sehen lassen kann. Vorstellen möchten wir euch drei Ladies. Den Anfang macht Jorja Smith.

Mit ihrem Debüt „Blue Lights“ vereint die Britin Soul, Jazz, R’n’B und Grime miteinander. Daher liegt das ,,Sirens“-Sample von Dizzee Rascal aus dem Jahr 2007 auch gar nicht so fern. Wenn sie mit ihren gerade mal 19 Jahren nicht gerade mit Maverick Sabre kollaboriert, handeln ihre Tracks von der Unsicherheit des Seins, unerfüllter Liebe, der Endlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen, von Gewalt und Kriminalität. Ziemlich harter Stoff für eine 19-Jährige. Jorja Smith verpackt all diese Härte unter einem Deckmantel der Zartheit. Smoothe Beats sowie typische R’n’B Basslines erinnern zum Teil stark an Lauryn Hill. Also ich wüsste jetzt nicht, was es gegen einen Vergleich mit der Grand Dame des R’n’Bs einzuwenden gäbe. Doch nicht nur Jorja Smith haucht Rhythm and Blues neue Moderne ein – Mabel zieht gekonnt nach.

Beinahe genau ein Jahr ist ihr Debüt „My Boy My Town“ nun alt. Das tut der Aktualität des Ganzen allerdings keinen Abbruch. Die Schwedin und Tochter von Neneh Cherry veröffentlichte im Sommer diesen Jahres „Thinking Of You“ und zeigt, dass sie das Zeug dazu hat, in die Fußstapfen ihrer bekannten Mutter zu treten. Alles erinnert an die frühen Neunziger, an Brandy, Monica oder Faith Evans. Der Sound der 19 jährigen und die Modernität ihrer Videos treffen perfekt den Puls einer jungen und trendbesessenen Generation. Ein Paar Jahre älter, jedoch keinesfalls weniger talentiert, ist Sevdaliza.

Zugegeben: Sevdaliza erfüllt nicht ganz die Anforderungen an eine reine R’n’B Künstlerin. Dennoch hat sie neben Jorja Smith und Mabel ihre Daseinsberechtigung. Die 27 Jährige Iranerin mit Wurzeln und Wohnsitz in den Niederlanden klingt manchmal poppiger, um einiges elektronischer und könnte in einem Atemzug mit BANKS genannt werden. Dennoch finden Jorja Smith, Mabel und Sevdaliza auf inhaltlicher als auch athmosphärischer Ebene wieder zusammen. Zudem sollte der visuelle Aspekt in Sevdalizas Musik nicht unter den Tisch gekehrt werden. Ihre Videos, vor allem das im März 2016 veröffentlichte Video zu „Marilyn Monroe“, lösen entweder Kopfschütteln oder zustimmendes Kopfnicken beim Zuschauer aus. Abseits dieser Videos geht es aber immer noch primär um die Musik; und das kann Sevdaliza. Bewiesen hat sie das mal wieder vor einem Monat. Da erschien nämlich ihre neue Single „Time“. Und ja, irgendwie erinnert das alles stark an Portishead. Ziemlich gut wie ich finde. Düster und durchaus passend zur Jahreszeit.

Ob Electronic R’n’B, in Anlehnung an die frühen Neunziger oder der Vergleich mit Lauryn Hill. Alle Damen können was. Man darf in jedem Fall gespannt sein, was die kommenden Jahre an Entwicklung und Veröffentlichungen bringen. Bis dahin könnt ihr euch Bilder auf Instagram anschauen oder mehr Musik dieser bezaubernden Frauen entdecken.