Interview: Hi, we are OG Keemo & Funkvater Frank

Mit unserer Rubrik HI, MY NAME IS... stellen wir euch in regelmäßigen Abständen Künstler vor, die etwas zu sagen haben. Diesmal melden sich OG Keemo und sein Kompagnon Funkvater Frank zu Wort. Ein Rapper aus Mannheim und ein Produzent, der ziemlich gute Beats macht, bilden momentan das coolste Team, das Chimperator zu bieten hat. Nicht zuletzt wegen ,,Neptun'', der im Oktober letzten Jahres releasten EP mit Tracks, die düster, eloquent aber auch Keemos momentane ,,Fickt euch alle, niemand kann mich ficken''-Einstellung widerspiegeln. Warum der Schritt zum großen Label für die beiden immer noch ,,total krank'' ist und der Wunsch nach mehr Alleinstellungsmerkmalen im Deutschrap allgegenwärtig ist, sind Dinge, die dringend geklärt werden müssen! Bühne frei für zwei Homies, die ihr auf dem Schirm haben solltet.

Fangen wir entspannt an: Indica oder Sativa?
OG Keemo: Weder noch, ich buff‘ nicht mehr.
Funkvater Frank: Dito, lass lieber eine Capri Sun trinken.

Überfluss oder Konzentration auf das Wesentliche?
OG Keemo: Ich bin noch am herausfinden, wie ich für mich am effizientesten arbeiten kann. Bisher hat es immer besser funktioniert, wenn ich zum Beispiel mal an einem Text arbeite, dann wieder an einem anderen und so weiter. Also eher konzentrierter Überfluss würde ich sagen.

Funkvater Frank: Ich baue eigentlich mit jedem Sample, dass ich digge, einen Beat. Welcher von diesen Beats am Ende im Studio landet, steht wieder auf einem anderen Blatt. Eher Überfluss also. Ganz anders aber, wenn ich mit Keemo dann im Studio bin. Wir versuchen immer jeden Song bis zum Maximum auszubauen und jede Vocalspur auch effektiv zu nutzen.

Stichpunkt ,,Wahrheitsgehalt“: In deinen Texten als auch Videos mimst du den harten Kerl. Kommst du daher, wo die wilden Kerle wohnen? Muss man Angst vor dir haben?
OG Keemo: Ich komm eigentlich aus Mainz Lerchenberg. Papageiensiedlung, schon eher ärmlich, aber es gibt definitiv schlimmere Viertel. Wohne seit 2013 wieder in einem Vorort von Mannheim und da ist es natürlich nochmal viel ruhiger. Angst haben braucht man nicht. Wer cool zu mir ist, zu dem bin ich auch cool. Ich bin ein sehr umgänglicher Nigga würde ich sagen.

Abgesehen vom Abhängen in Hausfluren mit der Crew: Euer Lieblingsspot in Mannheim?
OG Keemo: Hab‘ ich keinen, glaube ich. Im Sommer ist natürlich die Neckarwiese ganz cool, aber ansonsten häng‘ ich nur bei Freunden und in deren Gegend rum.

Funkvater Frank: Bin voll der Hafen-Fan. Ich bin dort immer gerne, kann nicht mal genau erklären warum. Schon damals in der Mittagspause. Ansonsten geh ich gerne gut und viel essen. Wenn ihr mal in Mannheim sein solltet, geht zu Chang in M 4 und holt euch die „kleine“ Portion gebratene Nudeln. Krank groß und nur 2,50€.

Von Rap Deutschland erhoffe ich mir in Zukunft…?
OG Keemo: Mehr Charakter, glaube ich. Mehr Innovation. Es gibt leider wenig was mich wirklich splashed, weil wir nur vier, fünf Sparten haben, die wir bedienen. Es gibt kein Merkmal bei dem du sagen kannst: „ja man, das macht Deutschrap aus“ bzw. „so klingt Deutschrap“. Wir orientieren uns so krass an Frankreich, Amerika und SAFE bald auch an England. Wir klingen wie die, statt so zu klingen wie wir. Aber ist cool, denke wir sind auf einem guten Weg.

Funkvater Frank: Stimme Keemo zu. Wir klingen wie Amerika oder Frankreich. Schließe uns da im Großen und Ganzen nicht aus, aber wir versuchen mit der Zeit einen „eigenen“ Sound zu entwickeln. Vielleicht klingen ja bald alle wie wir. (lacht)

Funkvater Frank ist für mich…?
OG Keemo: Allem voran natürlich ein Freund, aber auch die wichtigste Begleitperson auf diesem Weg. Bin mir nicht sicher, ob ich da wäre, wo ich jetzt bin, wenn er nicht dabei wäre. Er ist halt neben dem Produzenten der Pragmatische von uns Beiden. Das ist eben die optimale Ergänzung zu meiner gemütlichen Person. Wir sehen halt nebeneinander aus wie eine Zirkusattraktion, aber das ist cool. (lacht)

OG Keemo ist für mich…?
Funkvater Frank: In erster Linie natürlich Freund. Wir machen den Scheiß schon so lange zusammen, aber ich weiß, ich würde dieses Musikding niemals so ernst nehmen, wenn Keemo nicht wäre. Ich geh‘ immer ziemlich diszipliniert und mit einer „Hauruck“ Einstellung an das Ganze ran und Keemo erinnert mich daran, dass das Ganze ja auch dem Spaß dient und wir es in erster Linie auch deshalb machen. Ich will es immer als Arbeit sehen und mir Stress machen, wo es nicht nötig ist. Keemo hält mich dahingehend immer zurück und auf dem Teppich.

Würdet ihr die Aussage ,,Freunde = Crew = Familie“ so unterschreiben, oder unterscheidet ihr zwischen Freunden und Familie?
OG Keemo: Würde ich so unterschreiben.
Funkvater Frank: Ja, safe.

Was bedeutet Chimperator für euch?
OG Keemo: Ich bin unglaublich froh, die Jungs kennen gelernt zu haben. Das sind die big Homies. Ist einfach nice, dass die Jungs wie Franky und mir so eine Chance bieten und uns helfen uns so gut wie möglich zu entfalten.

Funkvater Frank: Überleg doch mal wie krank das ist. Vor knapp einem Jahr haben wir erst angefangen Songs zu recorden. Und gefühlt meldet sich zwei Tage später eines der größten Independent Labels Deutschlands und sagt, dass sie den Scheiß feiern. Konnte mir das erst gar nicht erklären wie ausgerechnet Chimperator auf uns gekommen sind. Jetzt sind die Jungs Family. Meine coolsten erwachsenen Homies. (lacht)

Eure Tracks klingen düster, ernst und oft auch böse. Sie wechseln sich ab; mal rappst du davon, wie du deine Frauen am liebsten magst, ein anderes Mal überrascht du mit deepen Themen und überzeugender Eloquenz. Mit was kann man in Zukunft rechnen? Düstere Deepness oder harte Schale?
OG Keemo: Das kommt ganz darauf an wie ich mich fühle oder wie sich mein Leben entwickelt. Wenn alles gut läuft, rappe ich mit 30 nicht mehr darüber wie ich in irgendwelchen Treppenhäusern abhänge. Abgesehen davon werde ich mich nie auf eine Rap-Stimmung festlegen. Es wird nie ENTWEDER deepes Zeug ODER aggressiver Shit sein. Sondern immer alle Moods abdecken, die ich fühle. Momentan bin ich oft auf diesem „FICKT EUCH ALLE, NIEMAND KANN MICH FICKEN“-Film, deshalb klingt auch die Musik dementsprechend.

Welche Rapper kann man international als auch national guten Gewissens hören? Gebt uns einen kurzen Einblick in euren Musikgeschmack!
OG Keemo: International finde ich Brockhampton so am krassesten gerade. Das sind auch so die Einzigen, die mich wirklich vom Hocker hauen. Ist auch nach dieser Soundcloud-Rapperwelle voll erfrischend. Die haben einen Gaynigga, das ist ein Instant-Win. Ansonsten ganz viel Kendrick. Earl Sweatshirt sollte auch mal wieder was droppen. Freddie Gibbs, Young Thug, Skepta, Vince Staples, G-Herbo und Dave East sind meine Favs momentan.

Funkvater Frank: Denke ein Grund, warum unsere Musik stimmig klingt ist, weil wir schon immer dieselbe Musik feiern. Also unterschreib‘ ich einfach Keemos Antwort.

Ein gutes Wochenende besteht für mich aus…?
OG Keemo: So wenig Stress wie möglich einfach. Mobben mit den Jungs und Studiozeit. Bin kein Partytyp. Ich versuche andere, verschwitzte Körper auf engem Raum zu meiden.

Funkvater Frank: Meine Freundin im Arm, Laptop auf dem Schoß und was gutes zu Essen. Sonntags mit der Familie bei Oma essen gehen und Abends mit Keemo ins Studio oder mit der Bande Videoideen besprechen.

Zum Abschluss: Wie geht’s euch heute?
OG Keemo: Gut, danke.
Funkvater Frank: Ey, gut man. Hoffe euch auch. Fragt man sowas nicht am Anfang eines Gesprächs? (lacht)

 

Wir sagen Danke und freuen uns auf weitere Tracks mit heftig guten Beats von OG Keemo und Funkvater Frank!

 

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