Recap: Abgerockt mit Twin Peaks


Als ich das erste Mal im vergangenen Jahr dank meines Kumpels Leo von Ten Fé auf das Album „Down i Heaven“ gestoßen bin, wurde sofort meine Liebe zu Twin Peaks entfacht. Und damit meine ich natürlich nicht den festen Platz in meinem Herzen für den TV-Serien-Klassiker, sondern das neue Fünkchen Leidenschaft für jene Band aus Chicago, die beweist, das Indie-Rock in seiner schönsten und rotzigsten Variante für immer eine Daseinsberechtigung haben wird. Das Quintett wandelt mit ihren Songs irgendwo zwischen sechziger Jahre Rock à la Rolling Stones oder Iggy Pop und eingängigen Garage-Sound der 2000er im Stil der The Strokes, Franz Ferdinand oder Tame Impala.
Dass sie ihr Publikum insbesondere live zum Toben bringen, bewiesen die fünf Grundschulfreunde dabei im Juli in der Urban Spree. Bis zum Anschlag in den gedrungenen Raum gestopft, sorgten die Fans bereits nach Minuten für subtropische Klimaverhältnisse und ungestüme Freude. Kein Wunder, denn Twin Peaks drehte die Verstärker noch ein wenig lauter auf, spielte die Lieder noch ein wenig punkiger und bewies mit jeder Note ihre Hingabe an das Publikum. Das führte dann kurz um auch zum stromtechnischen Totalausfall, was jedoch weder Band noch erregte Menschenmasse daran hinderte mit erlöschteten Smartphone-Taschlampen weiter zu tanzen, zu feiern und zu schwitzen. (Man beachte die Fotos!)


Während meine Kameralinse ohne Unterbrechung beschlug und tropfte, erinnerte mich wieder daran, wie es einmal mit 16 war, als die Bedeutung von Garagen-Rock nicht nur im Wort mitklang, sondern in Ekstase gelebt wurde und ließ mich von den Anfang 20-jährigen Chicago-Boys mitreißen. Wie eine nostalgische Wundertüte entpuppte sich der Abend zu einer wahrhaften Überraschung.


Wer übrigens Bands wie Twin Peaks für sich entdecken möchte und auch sonst keine Blüten subkulturellen Ersprießungen verpassen will, sollte auf jeden Fall die Events von Loft Concerts ständig im Blick bewahren. Das Kollektiv das Anfang der 1980er in Steglitz von der „Veranstalterlegende“ Monika Döring gegründet wurde, fühlt sich den individuellen, wählerischen und musikbegeisterten Großstädtern verpflichtet. Ohne Scheuklappen vor den Ohren präsentieren sie Künstler, von jeglichem Couleur – egal ob Rock, Pop, Blues, HipHop, Elektro, Minimal, Avantgarde oder Reggae und Ska. Stets familiär und innovativ.